Patienten und Versorgung verbinden: Wie ein koordinierter Plattform-Ansatz das deutsche Gesundheitswesen modernisiert

June 11, 2026

Amsterdam, June 11th, 2026 -  Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Krankenhäuser stehen unter doppeltem Druck: Auf der einen Seite erwarten Patientinnen und Patienten eine transparente Kommunikation, digitalen Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten und Online-Terminbuchungen. Auf der anderen Seite kämpft das klinische Personal täglich mit administrativem Aufwand, der mit jeder neuen Anforderung und Regulierung wächst. Die Digitalisierung ist keine Option mehr. Sie ist der einzige Weg, um die modernen Erwartungen der Patientinnen und Patienten zu erfüllen und gleichzeitig die Arbeit für die Menschen, die mit dem System arbeiten, nutzerfreundlicher zu gestalten.

Hinter den Kulissen sieht die Realität jedoch oft anders aus. Viele Krankenhäuser arbeiten in fragmentierten IT-Landschaften mit einer Vielzahl klinischer Quellsysteme, die nicht nativ miteinander kommunizieren. Die Folge sind papierbasierte oder halbdigitale Arbeitsabläufe sowie isolierte Daten, die weder die Patientin oder den Patienten erreichen noch das klinische Team bei der täglichen Arbeit unterstützen.

Das haben wir kürzlich bei unserer Zusammenarbeit mit der Sozialstiftung Bamberg (SSB) aus nächster Nähe erlebt. Das Projekt war darauf ausgelegt, eine einheitliche digitale Brücke zwischen bestehender IT-Infrastruktur und moderner Patientendienste zu schlagen. Die Umsetzung erfolgte im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) nach Fördertatbestand 2, der gezielt auf interoperable Patientenportale ausgerichtet ist. Gemeinsam mit Philips als Generalunternehmer, Founda Health als technisches Fundament für Interoperabilität sowie unseren Partnern Timerbee (Terminbuchung) und Logex (Patientenportal) haben wir eine zentrale Orchestrierungsschicht etabliert, die bewährte klinische Systeme mit benutzerfreundlichen digitalen Touchpoints verbindet.

 

SSB - DE- graphic #1

Die Herausforderung: Eine komplexe Multivendor-Landschaft

Die digitale Transformation in deutschen Krankenhäusern bringt ganz eigene Hürden mit sich, die die Komplexität von Projekten mit Fokus auf Interoperabilität erhöhen:

  • Klinische IT-Systeme verschiedener Hersteller (Multi-Vendor): Die SSB betreibt, wie viele andere Krankenhäuser auch, eine Reihe unterschiedlicher, etablierter klinischer Systeme, die von der Bildgebung über die Patientenverwaltung bis hin zur Rehabilitation und spezialisierten Arbeitsabläufen reichen. Jeder Bereich wird von dedizierten Systemen bedient, die für ihren spezifischen klinischen Zweck optimiert sind und nicht für den systemübergreifenden Datenaustausch. Die Herausforderung bestand darin, diese Systeme zu verbinden, ohne fehleranfällige Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen aufzubauen. Daten mussten in der gesamten Organisation dort verfügbar gemacht werden, wo sie benötigt werden, ohne das neu aufzubauen, was bereits funktioniert.
  • Isolierte Patientenidentitäten: Da Patientendaten in mehreren Systemen unabhängig voneinander verwaltet werden, ist die Einrichtung einer einzigen, einheitlichen Patientenakte technisch anspruchsvoll. Dubletten und Lücken bei der Registrierung erfordern eine aktive Data Governance und nicht nur eine einmalige Korrektur. Die SSB hat bereits vor dem Projekt den Master Patient Index (MPI) der i-engineers eingeführt, um genau diese Hürde zu nehmen. Dies machte es möglich, die Interoperabilitätsplattform auf der Grundlage verlässlicher Patienteninformationen aufzubauen.
  • Koordination der Systempartner: Damit Interoperabilität in der Praxis funktioniert, müssen nicht nur vier Partner koordiniert, sondern ein vielschichtiges Netzwerk aus Systemen und Organisationen harmonisiert werden. Da jeder Anbieter eigene Release-Zyklen, Eskalationspfade und Rahmenbedingungen mitbringt, liegt hier oft die größte Herausforderung bei Digitalprojekten im Gesundheitswesen.

Die Lösung: Ein koordinierter Rollout

Das Vorhaben wurde unter der Leitung von Philips als zentral koordiniertes Gesamtprojekt aufgesetzt, bei dem Founda, Logex und Timerbee ein integriertes Projektteam bilden. Dieser Ansatz ermöglichte es, alle Aktivitäten über den gesamten Projektverlauf hinweg zu bündeln und zielgerichtet zu fokussieren. Zudem konnte als Team mit klarem Eskalationspfad auf externe Faktoren reagiert und die Strategie dabei flexibel angepasst werden.

Gerade in Projekten mit mehreren Systemanbietern zeigt sich: Interoperabilität ist nicht nur eine technische Aufgabe, sondern vor allem eine Frage klarer Verantwortung und koordinierter Zusammenarbeit.

Dies bedeutete für unser Projekt die enge Kooperation von vier Organisationen an einer gemeinsamen Lösung.

  • Philips als Generalunternehmer, verantwortlich für die Gesamtabwicklung, das Change Management und das ganzheitliche Projektmanagement.
  • Founda Health als technisches Fundament für Interoperabilität, das die bestehenden Systeme des Krankenhauses mit den neuen, patientenorientierten Lösungen verbindet.
  • Logex als Anbieter des Patientenportals, über das Dokumente sowie Entlassungsbriefe flexibel abgerufen werden können und das alle Termininformationen bündelt.
  • Timerbee als Anbieter des Terminmanagementsystems, das direkt in die Website der SSB eingebettet ist und verfügbare Termine aus dem KIS abruft.

Jedes klinische System verbindet sich nur einmal mit der Plattform und nicht mit jedem anderen System einzeln. Wenn ein neues System hinzukommt, profitiert es sofort von allen bestehenden Verbindungen, wodurch die Vorteile einer wachsenden Interoperabilität unmittelbar zum Tragen kommen.

Im Hintergrund verbindet die Founda-Plattform bestehende klinische Systeme über international anerkannte Standards im Gesundheitswesen (IHE, FHIR, HL7v2) und stellt so sicher, dass jedes System auf die gleiche Weise über denselben Patienten bzw. dieselbe Patientin spricht. Dokumente verbleiben in ihren Quellsystemen und werden dort verfügbar gemacht, wo sie benötigt werden. Darüber hinaus ermöglichte die Founda-Plattform der SSB durch die Nutzung der bestehenden MPI-Funktionen, die vorhandenen Patientenidentitäten des Krankenhauses direkt mit den entsprechenden Patientenportal-Accounts zu verknüpfen. Dies garantiert: (1) die volle Kontrolle über die Zuordnung der Patientenidentitäten, (2) die Verknüpfung der Patientenidentitäten direkt über das Founda Health Portal und (3) einen kontrollierten Dokumentenaustausch auf Basis vordefinierter Richtlinien unter Einhaltung internationaler und interner Standards.

Durch die Ausrichtung an staatlichen Initiativen wie dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) und dem Krankenhauszukunftsfonds (KHZF) unterstützt dieses Fundament zukünftige Anwendungsfälle und schützt digitale Investitionen vor regulatorischen Änderungen.

Die Wirkung: Von Silos zu einer nahtlosen Versorgung

Bei unserem Rollout der Phase Eins in ausgewählten klinischen Pilotabteilungen zeigten sich die Ergebnisse sofort.

  • Terminbuchung: Patientinnen und Patienten buchen Termine online, wodurch der klassische Engpass am Telefon umgangen wird. Dies bedeutet eine 24/7-Verfügbarkeit für Patientinnen und Patienten und eine spürbare Verringerung des administrativen Aufwands für die Buchung und Erfassung von Terminen im Krankenhausinformationssystem (KIS). Letzteres wurde über eine direkte ISiK Schnittstelle zwischen Timerbee und CGM Medico ermöglicht. Im Rahmen der Terminbuchung werden Patientinnen und Patienten zudem direkt zur Registrierung im Patientenportal eingeladen, über das sie ihre Termine einsehen und verwalten können.

  • Dokumentenverwaltung: Nach Anlage eines Patientenportal-Accounts haben Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, relevante Dokumente eigenständig hochzuladen und der SSB zur Verfügung zu stellen. Sobald ihre Identität überprüft wurde, verknüpft das Verwaltungspersonal der SSB das Portalkonto mit der bestehenden klinischen Identität über das Founda Health Portal. Vordefinierte medizinische Dokumente aus dem angeschlossenen Archiv CGM CLA können im Patientenportal abgerufen werden, während das klinische Personal vom Patienten bzw. der Patientin freigegebene Dokumente in Echtzeit einsehen kann. Um ein konkretes Beispiel für diesen direkten Nutzen zu nennen: Die SSB kann jetzt PDF-Dokumente mit personalisierten QR-Codes für Radiologiebilder direkt im Patientenportal zugänglich machen. Patientinnen und Patienten können dann sofort über ihr verknüpftes Patientenportal auf ihre Bilder zugreifen. All dies geschieht ohne CDs, manuelle Arbeitsabläufe an der Radiologie-Anmeldung oder gedruckte Dokumente.

  • Sektorübergreifende Überleitung in die Rehabilitation: Der Sozialdienst erstellt digitale Überleitungen an die hauseigene Rehabilitationseinrichtung Saludis direkt im Founda Health Portal. Die Mitarbeitenden der Saludis sehen die Überleitungsanfrage und die relevanten Dokumente in Echtzeit, und die Annahme erfolgt digital. Der Arbeitsablauf bleibt über beide Organisationen hinweg an einem Ort. Die relevanten Aufnahmedaten werden nach Abschluss der Zuweisung automatisch nach MediWorks, das Primärsystem von Saludis, übertragen.

Durch die enge Verzahnung dieser Prozesse werden die digitalen Anwendungen nicht als isolierte Einzellösungen wahrgenommen. Patientinnen und Patienten sowie das Klinikpersonal erleben stattdessen einen durchgängigen, nahtlosen Ablauf von der Terminbuchung über die Entlassung bis hin zur Rehabilitation.

 

DE- ssb inner text

Gemeinsam haben wir die Systemlandschaft der Sozialstiftung Bamberg nicht nur um digitale Werkzeuge erweitert. Wir haben die Reibungsverluste zwischen ihnen beseitigt. Das bedeutet weniger administrativen Aufwand für das Personal, kürzere Kommunikationswege und einen bewährten ersten Schritt hin zu wirklich papierlosen Arbeitsabläufen.


Was wir seit dem Go Live bereits bewegen konnten:

159

online gebuchte Termine

283

aktive Patientenportal-Accounts

140

von den 283 Accounts sind 140 mit der KIS-Akte verknüpft

130

von Patientinnen und Patienten bisher hochgeladene Dokumente

187K

Dokumente aus dem Klinikarchiv über die Interop-Plattform zugänglich

30K

von den 187K Dokumenten sind 30K für verknüpfte Patientinnen und Patienten aus dem Patientenportal abrufbar

 

Blick in die Zukunft

Phase Eins bildet das Fundament, ist aber noch nicht das Ziel. Zu den Arbeitsabläufen, die bereits in der Planung oder im Design sind, gehören:

  • Ein erweitertes Zuweisungsnetzwerk für externe Ärzte, die einen sicheren Zugriff auf relevante Patientenakten benötigen.
  • Der Rollout weiterer Behandlungspfade, um die Funktionen des Patientenportals zu stärken.
  • Datengestützte klinische Erkenntnisse auf Basis von FHIR-Strukturen, die den Weg für erweiterte Analysen und langfristige Erfolgsmessungen ebnen.
  • Weitere sektorübergreifende Arbeitsabläufe, die das digitale Zuweisungsmodell über die Rehabilitation hinaus auf andere Versorgungspartner ausweiten.

Selbst in einem der komplexesten regulatorischen Umfelder Europas ist eine vernetzte und patientenzentrierte Versorgung erreichbar. Alles, was es braucht, sind die richtige Strategie, das richtige Fundament und die richtigen Partner.

 

Über Founda Health
Founda Health ermöglicht den sicheren, standardbasierten Austausch von Gesundheitsdaten zwischen Organisationen und Systemen. Die Founda-Plattform unterstützt Gesundheitsnetzwerke und -organisationen dabei, ihre bestehende Infrastruktur zu vernetzen, nationale Initiativen zur Interoperabilität zu fördern und sich auf künftige europäische Anforderungen in Bezug auf Datenaustausch und Einwilligung vorzubereiten.