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Transformation braucht ein Fundament: Was das KHVVG für vernetzte Gesundheitsversorgung bedeutet

Written by Cindy Gieselmann | Mar 23, 2026 6:15:41 PM

Transformation braucht ein Fundament: Was das KHVVG für vernetzte Gesundheitsversorgung bedeutet

Digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland wird oft als Frage der Innovation betrachtet. KI, Telemedizin und klinische Entscheidungsunterstützung dominieren Konferenzen und strategische Diskussionen.

Dabei mangelt es Deutschland keineswegs an innovativen Ideen.

Die eigentliche Herausforderung liegt woanders: Häufig fehlt die Dateninfrastruktur, die es diesen Ideen erlaubt, im gesamten Gesundheitssystem wirksam zu werden. Neue digitale Lösungen schaffen nur dann echten Mehrwert, wenn die Datenqualität hoch ist, Systeme Informationen zuverlässig austauschen und Daten genau dort verfügbar sind, wo sie benötigt werden.

Ohne dieses Fundament bleiben selbst die vielversprechendsten Innovationen oft auf Pilotprojekte beschränkt.

Von der Krankenhausdigitalisierung zu regionalen Versorgungsnetzwerken

In den vergangenen Jahren wurde die deutsche Gesundheitslandschaft stark durch das KHZG (Krankenhauszukunftsgesetz) geprägt. Das Programm beschleunigte digitale Investitionen in Krankenhäusern und half vielen Einrichtungen, ihre IT-Infrastruktur zu modernisieren.

Eine zentrale Erkenntnis dabei: Neue digitale Systeme im Krankenhaus allein schaffen noch keine vernetzte Versorgung. Zwar verbessern Tools lokale Arbeitsabläufe, Patient:innen- und klinische Daten bleiben jedoch oft fragmentiert innerhalb von Abteilungen oder Einrichtungen. Das erschwert koordinierte Versorgung und den systemübergreifenden Einsatz von Informationen.

Digitalisierung entfaltet ihr volles Potenzial erst dann, wenn nicht lediglich bestehende Abläufe digitalisiert, sondern Strukturen und Prozesse ganzheitlich Ende-zu-Ende transformiert werden.

Mit der Einführung des KHVVG (Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz) , unterstützt durch den KHTF (Krankenhaus-Transformationsfonds), verschiebt sich der Fokus nun über die interne Digitalisierung hinaus auf die Frage, wie Versorgung organisiert wird.

Das kürzlich verabschiedete KHAG (Krankenhausanpassungsgesetz) prägt die Umsetzung dieser Transformation weiter. Sie schafft etwas mehr Flexibilität und Planungssicherheit, kann aber gleichzeitig das Tempo des Strukturwandels beeinflussen.

Die neuen Regelungen sollen Krankenhäuser fördern,

  • Sich gezielt auf bestimmte Leistungen zu spezialisieren, um dadurch Qualität und Effizienz zu steigern,
  • Kooperationen zu stärken und regionale Versorgungsnetzwerke auszubauen,
  • Telemedizin und digitale Netzwerke weiterzuentwickeln,
  • die Versorgung sektorenübergreifend zu koordinieren und stationäre, ambulante sowie spezialisierte Angebote besser zu verzahnen.

Krankenhäuser sollen zunehmend als Teil regionaler Versorgungsnetzwerke agieren, in denen Patient:innen zwischen Anbietern, Fachzentren und Versorgungsebenen wechseln. Das bringt Herausforderungen, aber auch enorme Chancen und eine klare Ableitung: Gesundheitsdaten werden zum zentralen Bindeglied und entscheidenden Enabler für koordinierte Versorgung.

Wenn Versorgung vernetzt wird, Daten aber nicht

Das KHVVG führt in erster Linie keine neuen digitalen Anwendungsfälle ein. Stattdessen verändert sie die Organisation der Versorgung. Mit zunehmender Vernetzung der Versorgungswege bleiben Patient:inneninformationen häufig hinter einzelnen Krankenhaus- oder Abteilungssystemen zurück. Das hat reale Konsequenzen: Ärzt:innen fehlt oft zeitnaher Zugriff auf relevante Krankengeschichte, Bildgebung oder klinische Kontexte. Entscheidungen müssen auf unvollständigen Informationen getroffen werden, Diagnosen werden wiederholt und die Koordination zwischen Anbietern verlangsamt sich.  (siehe Literatur [1])

Langfristig begrenzt diese Datenfragmentierung auch den Nutzen digitaler Investitionen. Ohne verlässliche Datenbasis lassen sich Anwendungsfälle nicht über einzelne Abteilungen hinaus skalieren. Innovationen bleiben lokal und können regionale Versorgungsstrukturen nicht nachhaltig unterstützen.

Auch die sekundäre Nutzung von Daten für Forschung, Qualitätsmanagement oder Bevölkerungs- und Versorgungsanalysen hängt davon ab, dass Informationen verfügbar, standardisiert und interoperabel sind.

Die Herausforderung ist somit nicht nur technisch, sondern auch strukturell. Für langfristig vernetzte Versorgung werden Datenverfügbarkeit und -kontinuität zu entscheidenden Hebeln für Qualität, Effizienz, Skalierbarkeit und Innovation. Informationen müssen als gemeinsame Ressource, nicht nur als Nebenprodukt lokaler Prozesse betrachtet werden. 

Vernetzte Versorgung durch Interoperabilität ermöglichen

Mit zunehmender Zusammenarbeit im Gesundheitswesen besteht die Herausforderung nicht mehr nur in der Digitalisierung, sondern darin, digitale Lösungen über ein interoperables Ökosystem hinweg zum Laufen zu bringen.

Interoperabilitätsplattformen können das Fundament dieser Transformation bilden. Durch Standards wie FHIR, IHE-Integrationsprofile und klinische Terminologien wie SNOMED CT können Daten konsistent strukturiert, geteilt und interpretiert werden über Systeme, Organisationen und Versorgungsebenen hinweg.

Gleichzeitig bieten diese Plattformen die operativen Funktionen, die Interoperabilität praktisch machen: Datenintegration, -transformation, Prozesssteuerung und sichere Verfügbarkeit über organisatorische Grenzen hinweg. Diese gemeinsame Datenebene reduziert Integrationsaufwände, vermeidet wiederholte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und verankert Governance, Compliance und Sicherheit direkt in der Infrastruktur.

Mit einem solchen Fundament können Gesundheitsorganisationen:

  • die Versorgung lokal und regional über Krankenhäuser und Sektoren hinweg koordinieren,
  • Pilotprojekte in vernetzte Versorgung skalieren,
  • Innovationen wie KI, Telemedizin und fortgeschrittene klinische Workflows optimal nutzen,
  • sicherstellen, dass Ärzt:innen zeitnah auf verlässliche, standardisierte Informationen zugreifen können.

Durch die Behandlung von Daten als gemeinsame Ressource ermöglichen Interoperabilitätsplattformen Innovationen über einzelne Einrichtungen hinaus, unterstützen den Ausbau von Netzwerken und bewahren Flexibilität für zukünftige Anforderungen. 

Ausblick

Das KHVVG und das KHAG schaffen eine seltene Gelegenheit, die koordinierte Versorgung auf regionaler Ebene neu zu denken.

Ihr langfristiger Erfolg hängt davon ab, ob die Organisationen diese Chance nicht nur zur Digitalisierung nutzen, sondern interoperable Grundlagen aufbauen, die vernetzte Versorgung und zukünftige Innovationen ermöglichen.

Digitale Innovationen im Gesundheitswesen werden weiter an Tempo gewinnen. Doch Technologien wie KI oder fortgeschrittene klinische Entscheidungsunterstützung entfalten ihren Wert nur, wenn Gesundheitsdaten zuverlässig zwischen Systemen, Organisationen und Versorgungsebenen fließen können.

Interoperable Datenarchitekturen machen diesen Anspruch erst zur Realität.

Vernetzen Sie sich mit uns

Wenn Sie gerade an einer Förderantragsplanung oder am Design eines regionalen Versorgungsnetzwerks arbeiten, sind diese Fragen wahrscheinlich schon Teil Ihrer Strategie.

  • Nehmen Sie Kontakt mit mir oder unserem DACH-Team auf und lassen Sie uns über Ihre Ansätze sprechen.

  • Treffen Sie uns auf der DMEA 2026, um Perspektiven zum Aufbau nachhaltiger Interoperabilitätsgrundlagen für regionale Gesundheitsnetzwerke auszutauschen.

Literature

1) Interoperability Challenges in Healthcare Information Systems. Verfügbar unter: https://www.researchgate.net/publication/398320221_Interoperability_Challenges_in_Healthcare_Information_Systems (abgerufen im März 2026).